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Erbrechen (Erwachsene): Diagnose

 


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Fälle und andere multimediale Materialien zum Lernen!

In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und deren Serviceeinrichtung
"Medical Media Services" finden Sie hier Lehrmaterial in Form von
Lehr-Krankengeschichten zum Thema "Peritonitis – Abdominelle Sepsis"!
Autoren: P. Götzinger, R. Exner


Erbrechen (Erwachsene)

Definition

Kontraktion von Zwerchfell, Bauchmuskulatur und Pylorus bei gleichzeitiger Erschlaffung des Magens und Ösophagus bei Reizung des Brechzentrums.

Begleitsymptome
  • Übelkeit
  • Speichelfluss
  • Blässe
  • Tachykardie
  • Schwäche
  • Benommenheit
Ursachen

Praktisch alle organischen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts und seiner Anhangsorgane; aber auch Erkrankungen fast aller anderen Organe und eine Reihe von funktionellen Störungen können zum Erbrechen führen.

Allgemein
  • Emotional-psychogen
  • Migräne
  • Starke Schmerzen wie Koliken (Galle, Harnleiter), peritonitische Reizung
  • Röntgenbestrahlung

Passagehindernis

  • Ösophagus (Tumoren, Narbenbildung, Divertikel, Achalasie)
  • Magen: narbiger Verschluss nach Duodenalulkus, Tumor
  • Darm: Volvulus, Invagination, entzündliche, tumoröse Stenosen mit Ileus

Stoffwechselstörung

  • Urämie
  • zu Beginn der diabetischen Azidose

Hormonell

  • Krisen bei Hyperthyreose
  • Hyper- und Hypoparathyreoidismus
  • M. Addison

Infektiös-toxisch

  • Akute Gastroenteritis
  • Pankreatitis
  • Cholezystitis
  • Hepatitis
  • Nahrungsmittelvergiftung
  • Peritonitis
  • paralytischer Ileus durch Infektion, Schmerz oder postoperativ

Otogen

  • Kinetosen (Reisekrankheit)
  • Labyrinthitis
  • M. Ménétrier

Neurogen

  • Hirntumor
  • Enzephalitis
  • Meningitis
  • Tabische Krisen

Schwangerschaft

Hyperemesis gravidarum (siehe dort)

Drogen

  • Digitalis
  • Antibiotika
  • Sulfonamide
  • Opiate
  • Zytostatika u. a.
Zytostatikabedingtes Erbrechen

Ursachen

 

  • Den Symptomen Übelkeit und Erbrechen liegt eine Vielzahl von Ursachen zugrunde
  • Im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen und Chemotherapie stehen zwei im Vordergrund:

 

  1.  Erbrechen durch Störungen verschiedener Art im Bereich des gesamten Verdauungstraktes - vom Pharynx bis zum Rektum, einschließlich Leber, Pankreas und Gallenwegsorgane - wie Entzündungen, mechanische Hindernisse oder toxische Reizungen
  2. Zentrales Erbrechen durch Reizungen des Brechzentrums im ZNS durch toxische Substanzen (Morphine, Digitalisintoxikation, Zytostatika, endogen toxisch) und durch psychogene Faktoren (z. B. antizipatorisches Erbrechen bei Chemotherapie)
Zytostatikabedingtes Erbrechen

Einsetzen vor Therapiebeginn:

  • antizipatorisches Erbrechen (Erwartungserbrechen als konditionierte Erfahrung früherer Therapien)

Akutes Erbrechen:

  • abhängig von der emetogenen Potenz des Zytostatikums, von der Dosis und der Konstitution des Patienten
  • Frauen neigen häufiger zu Erbrechen als Männer, junge Patienten mehr als ältere
  • Beginn des Erbrechens 1-6 Stunden nach Applikation und i. d. R. nicht länger als 48 Stunden

Verzögertes Erbrechen:

  • Häufig nach Cisplatin, setzt nach 24 Stunden ein und hält mehrere Tage an
Emetogenes Potenzial von Zytostatika

EMESIS-RISIKO (INZIDENZ)

 

Substanz
Dosierungen in mg/m2/d 
Sehr hoch
(> 90 %)
Hoch
(60 - 90 %)
Moderat
(30 - 60 %)
Mäßig
(10 - 30 %)
Gering
(< 10 %)
Beginn des
Erbrechens (h)
Dauer des
Erbrechens (h)
Cisplatin
> 75
< 75
 
   
1-6
16-48+
Carboplatin
> 350
150-350
< 150
   
-
-
Cyclophosphamid
> 1000
 500-1000
 < 500
   
 4-12
 4-24
Cytarabin
> 3000
 1000-3000
 300-1000
 < 300
 
 3-12
 3-6
Dacarbazin
> 100
 < 100
     
 1-3
 6-24
Carmustin (BCNU)
> 150
 < 150
     
 2-4
 4-24
Lomustin (CCNU)
> 35
 < 35
     
 2-6
 4-24
Streptozotocin
.
       
 1-4
 12-24
Chlormethin
.
> 6
 
 < 6
 
 0,5-2
 8-24
Dactinomycin
.
 > 0,3
 
 < 0,3
 
 2-6
 12-24
Doxorubicin
.
 > 45
 15-45
   
 4-6
 > 6
Ifosfamid
.
 > 1000
 < 1000
   
 1-6
 Prolongiert
Melphalan
.
 > 150
 
 < 150
 
 6-12
 -
Methotrexat
.
 > 150
 
 < 150
 
4-12
 4-12
Mitramycin (Plicamycin)
.
       
 4-6
 12-24
L-Asparaginase
 
       
 3-8
3-6
5-Fluorouracil
.
 
 > 750
 < 750
 
 3-6
  3-6
Daunorubicin
.
 
 > 45
   
 2-6
< 24
Mitomycin-C
.
       
 1-4
 6-12
Teniposid
.
       
 3-8
 3-6
Bleomycin
.
       
 3-6
 -
Etoposid
.
       
 3-6
 4-8
Hydroxicarbamid
.
       
 6-12
 -
Mercaptopurin
.
       
 4-8
 -
Thiotepa
.
       
 6-12
 3-6
Vinblastin
.
       
 4-8
 -
Chlorambucil
.
       
 48-72
 Prolongiert
Vincristin
 .
       
 4-8
 -
Modifiziert nach: Andrews PLR, Sanger GJ: Emesis in Anticancer Therapy. Chapman and Hall Medical, London 1993.

-Waldvogel HH: Antiemetische Therapie. G. Thieme Verlag, Stuttgart 1995

Postoperatives Erbrechen (PONV)
  • bei mangelnder Nahrungskarenz vor und nach der Operation
  • bei Patienten mit empfindlichem Magen und bei Risikogruppen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, v.a. nach langer Narkose und nach Bauchoperationen
Diagnostik

Aus der Art des Erbrechens und des Erbrochenen

  • Morgens nüchtern bei Intoxikation (besonders bei Alkoholikern), Stoffwechselstörung, Schwangerschaft
  • Erbrechen großer Mengen alle 12-48 Std. bei Obstruktion des Magenausganges (Ulkus, Tumor)
  • Plötzliches Erbrechen im Schwall ohne Übelkeit bei zentralnervösen Ursachen (z.B. Hirntumor)
  • Geruchlos bei Achalasie, Ösophagusdivertikel und Anazidität
  • Fäkulent ("Miserere") bei Dünndarmverschluss
  • Putrid mit Blutbeimengung bei Magenkarzinom
  • Essen vom Vortag: Magenausgangsverschluss, Ösophagusdivertikel
  • Zu Beginn oder unmittelbar nach dem Essen psychogenes Erbrechen

 

Apparative Diagnostik

  • Gastroskopie
  • Magen-Röntgen bzw. Magen-Darm-Passage bei v.a. Ileus, Passagehindernis distal des Magens
Emetogenes Potenzial von Zytostatika

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Letztes Update:25 Februar, 2009 - 16:57